Siehe ich mach Alles Neu!

Traditionell gibt es am ersten Sonntag im neuen Jahr eine Predigt zur neuen Jahreslosung und ich muss zugeben, selten war diese so vielschichtig wie dieses mal:

Siehe, ich mach alles ganz neu!

Das ist sie, unsere Losung, die uns durch das Neue Jahr begleiten soll und klar, neues Jahr, alles Neu, das passt doch schon irgendwie. Aber das ist nur eine Facette dieses kurzen Verses. Es gäbe auch noch ein paar andere, denn wie die meisten Menschen, haben wir vielleicht auch genaue Vorstellungen wie den das Neue Jahr werden sollte.

Der eine wünscht sich vielleicht weniger gesundheitliche Beschwerden oder die Genesung von einer schweren Krankheit. Ein anderer, dass endlich all diese Kriege aufhören und die Menschen anfangen sich gegenseitig zu helfen, anstatt sich zu schaden. Wieder einer wünscht sich vielleicht einen neuen Job, oder eine Beförderung, oder das er mehr Erfolg haben würde. Vielleicht wünschen sich auch einige, dass die Zerstrittenheit, der Unmut in unserem Land in Einigkeit und einem stabilen Wir-Gefühl verwandeln sollte.

Wunschdenken?!

Irgendwie schon, oder?

Der Vers allerdings ist aus dem letzten Buch der Bibel, den Offenbarungen des Johannes und der Kenner ahnt schon, dass es hier um mehr geht, als unsere Wünsche, so berechtigt diese auch sein mögen.

Gewisse Leute, wenn sie es denn verstanden hätten, würden hier von einer Zeitenwende spreche.

Aber das heißt eben auch, dass das Alte den Anforderungen nicht genügt hat, dass es unter Umständen vielleicht nicht gelungen war. Und überhaupt, was geschieht mit dem Alten? Wird es auseinander gebaut und alles nützliche “recyclelt”? Oder wandert alles unbesehen auf dem Müll?

Was war so schlecht an dem Alten, dass es Neu gemacht werden muss?

Und gibt es dafür keinen anderen Weg?

Rückblick

Es ist schon erstaunlich, wie gut die Losung aus dem vergangenen Jahr, zu dieser Losung für das kommende Jahr passt. Wie war das doch nochmal?

Prüft alles und behaltet das Gute! 1. Thessalonicher 5, 12

Wie gut ist uns das gelungen?

Brd. Heinicke hat mir wieder ein paar Zeilen zukommen lassen und ich möchte euch gerne daran teilhaben lassen. Er blickt vor allem mit Dankbarkeit auf das vergangene Jahr zurück.

Predigttext

Das ist, so würde ich es meinen, ein Rezept um der allgemein vorherrschenden Depression zu begegnen. Denn wer dankbar dem gegenüber ist, was er hat, wenn es ihm gesundheitlich noch so weit gut geht, dass er für ihn wichtige Dinge erleben darf, für den fällt der Blick zurück doch positiv aus, oder? Der dankbare Blick zurück, macht demütig und verhindert, dass wir abheben und alles als gegeben ansehen. Denn das ist es nicht!

Warum aber passt die Jahreslosung von diesem Jahr so gut zu der aus 2025?

Es hat etwas mit der Einstellung zu tun, etwas damit, wie wir mit unserem Leben umgehen, mit dem was uns im Alltag begegnet und was wir daraus machen. Diese Einstellung setzt die Erkenntnis voraus, dass du anerkannt hast, dass dein Leben nicht nur für dich nützlich ist, sondern auch für andere und vor allem, dem der dich geschaffen hat.

Im Kontext lesen wir in Off. 21, 5-8 folgendes:

„Seht, ich mache alles ganz neu!“, sagte der, der auf dem Thron saß, und wandte sich dann zu mir: „Schreib diese Worte auf! Sie sind zuverlässig und wahr.“ 6 Und er fuhr fort: „Nun ist alles erfüllt. Ich bin das Alpha und das Omega, der Ursprung und das Ziel. Wer Durst hat, dem werde ich umsonst zu trinken geben: Wasser aus der Quelle des Lebens. 7 Wer den Kampf besteht, wird das alles erben. Ich werde sein Gott und er wird mein Sohn sein. 8 Aber die Feiglinge, die Treulosen und die, die sich mit abscheulichen Dingen abgeben, die sexuell unmoralisch leben, und alle, die okkulte Praktiken ausüben, die Mörder, die Götzendiener und alle Lügner – sie erwartet der See, der mit brennendem Schwefel gefüllt ist, das heißt: der zweite Tod.“

Wenn wir die Jahreslosung ohne diesen Kontext lesen, so scheint da etwas für die Zukunft vorausgesagt zu sein. Etwas das sich erst noch erfüllen muss, auf das wir warten müssen.

Doch dem ist nicht so, denn Gott (der, der auf dem Thron sitzt) spricht hier eindeutig davon, dass “nun ist alles erfüllt”, sein Plan der von Anfang bis Ende von IHM für uns Menschen vorgesehen war, ist erfüllt und so schließt sich der Kreis. ER ist das Alpha und das Omega (der letzte Buchstabe im griechischen Alphabeth), der Ursprung und das Ziel. Das unterstreicht nochmals die Wahrheit, dass wir alle auf einem Weg sind, wir nicht - noch nicht dort sind, wo wir sein sollten. Aber wir sind auf dem Weg und ER hat uns, weil dieser Weg nicht ohne Gefahren ist, einen treuen Begleiter zur Seite gestellt.

Eigentlich war das schon immer so, denn Gott hat mit den Propheten dafür gesorgt, dass die Menschen den richtigen Weg nicht verfehlen konnten. Ja, wir wissen dass sie dennoch auf Abwege geraden sind, ich würde sogar so weit gehen, dass sie auch heute noch ziemlich auf dem Weg rumeiern und mitunter eine vermeintliche Abkürzung versuchen, die sie aber dann doch nur näher an den Schwefelsee bringt.

Davor warnt ER uns nochmals ausdrücklich in unserem Predigttext.

Es kann sich also keiner hinstellen und behaupten, er hätte davon nichts gewusst. Oder hätte alles nur für einen Mythos, eine Legende gehalten. Dafür ist seine Warnung wohl etwas zu konkret!

Willen

Wir lernen hier auch etwas über SEINEN Willen.

Zum einen lesen wir, dass IHM sehr daran gelegen ist, dass du, ich und alle anderen Menschen zu IHM zurück finden. Auch, dass dieser Weg gefährlich und schwierig ist.

Wir lesen aber auch wofür wir das alles auf uns nehmen:

Wer Durst hat, dem werde ich umsonst zu trinken geben: Wasser aus der Quelle des Lebens. 7 Wer den Kampf besteht, wird das alles erben. Ich werde sein Gott und er wird mein Sohn sein.

Und, ER zeigt seine Karten offen, denn auch was mit allen anderen passieren wird, können wir lesen:

… sie erwartet der See, der mit brennendem Schwefel gefüllt ist, das heißt: der zweite Tod.

Das klingt zurecht bedrohlich, doch ER lässt keine Zweifel daran, dass für solche Menschen kein Platz in Gottes Reich ist.

Somit ist auch die Frage nach dem Recycling beantwortet. Anders als wir es vielleicht in Zeiten knapper Ressourcen machen würden; Gott verwirft, was IHM ein Übel ist. ER merzt diese Menschen aus, und wirft sie in den See aus ewig brennenden Schwefel.

Düstere Aussichten.

Ausblick

Für wahr!

Das ist die eine Seite Gottes, die unerbittliche, die Zornige. Gott wird vollenden, was für alle Zeiten festgeschrieben war und ist.

Sind wir damit als altes Eisen abgeschrieben?

Werden wir auf dem Müllplatz der Geschichte landen, weil Gott kein Erbarmen kennt und uns nach unseren Taten bemessen wird, die uns schnurstracks in den Schwefelsee führen?

Und ist es nicht so, dass sich die meisten Menschen doch nur nach ein bisschen Glück sehnen? Und manche Menschen sich nur auf Lüge, Betrug einlassen, weil sie denken, dass sie das schneller an ihr Glücksziel brächte? Oder, dass manche Menschen, weil sie ständig nur Rückschläge erleben, zu Neidern und Missgünstlingen werden, weil sie andere sehen, denen es vermeintlich so viel besser geht?

Denn wisst: Ich werde einen neuen Himmel und eine neue Erde erschaffen. / Dann sehnt sich keiner mehr zurück nach dem, was früher war, / keinem mehr kommt das noch in den Sinn. Jes 65,17.

Vielleicht scheitern so viele, weil sie dem WORT nicht trauen, zu viele falsche Versprechen, zu viele Enttäuschungen. Was soll denn hier besser sein?

Genau in diesem Spannungsbogen hinein kommt Jesus.

Er bricht die Zweifel und die Verzweiflung auf.

Und auch wenn wir Gott mit seinem Zorn sehen, so wird sein Blick durch Jesus gnädig und barmherzig, verständnisvoll und voller Liebe. Deshalb gibt es nur den einen Weg zu IHM und der führt ausschließlich über Jesus.

Denn er hat die Drohkulisse abgebaut, hat das Unmögliche möglich gemacht!

Was uns von Gott fern hält, kann daher nicht Angst oder Trotz sein und keiner muss mit dieser Angst spielen, um irgendwen zu überzeugen. Das Angebot Jesu besteht seit über 2T Jahren und hat genauso lange keinerlei Vorbedingungen. Wer IHM vertraut, geht den richtigen Weg und wird zu einem neuen Menschen.

Wenn also jemand mit Christus verbunden ist, ist er eine neue Schöpfung: Was er früher war, ist vergangen: Seht doch, etwas Neues ist entstanden! 2. Kor 5,17.

Diese Verwandlung beginnt mit dem ersten Gedanken:

“Jesus! Ich vertraue dir!”

Durch Jesus wird Gott deine Gedanken, die ja auch noch ganz neu sind, neu ordnen. Das ist der Anfang. Danach wirst du in der Lage sein, Beziehungen die schon länger kaputt sind zu heilen. Du wirst eine völlig neue Qualität von Beziehung erleben, nicht nur zu den Menschen, sondern auch zu deinem Leben.

Wenn du Krank bist, oder krank wirst, so schenkt dir Gott eine Hoffnung, die sich mit nichts auf der Welt vergleichen lässt. Vielleicht findest du dann eine ganz neue Form der Dankbarkeit, weil du erkennst, mit welcher Güte uns Gott auch in schwierigen Situationen begegnet.

Das gleiche gilt aber auch für Schuld und dem Scheitern, dass ja kaum jemanden erspart bleibt. Vielleicht erkennst du dann sogar den Sinn in deinem Leben. Und da meine ich grad nicht die 42 ;)

Dieses alles geschieht mit einer tiefgreifenden Veränderung deines Charakters. Nicht weil du dutzende Bücher gelesen und mindestens zweimal im Jahr eine Fortbildung besucht hättest. Sondern einfach deshalb, weil Gottes Geist in dir wirkt.

Ist das Glas halb voll oder leer?

Eine dieser besonderen Charaktereigenschaften wird die Freude sein, mit der du den Tag, den dir Gott geschenkt hat, erlebst. Plötzlich ist dein Glas nicht mehr halb leer, sondern halb voll. Und du kannst dieses sogar genießen, obwohl du weisst, dass es irgendwann dann doch leer sein wird.

Diese Sichtweise ist im Besonderen eine gelebte, von Gott getragene Lebensweise. Es geht nicht darum, nach dem ewig Schlechten, dem was schief gelaufen ist zu suchen, auch nicht einen Schuldigen für alles was verkehrt läuft zu finden, sondern zu WISSEN, dass Gott alles Neu machen wird und bei dir damit angefangen hat.

Zuspruch

Das alles hat ER mir/euch in nur wenigen Zeilen geschrieben. Stimmt, da hätte ich schon viel eher fertig sein können, doch jeder braucht für so ein persönliches Thema eben seine Zeit.

Und es zeigt eines ganz besonders auf:

Wir schweben zwischen den Zeiten.

Wir sind noch nicht in der Neuen Welt und wir sind schon ein bisschen wie die Neue Welt.

Und weil das so ist, brauchen wir nicht zu zweifeln noch uns vor der Zukunft zu ängstigen. Gott wird alles Neu machen und hat bei uns schon längst angefangen!

Amen

Zusätze
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